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Neu: Interessante
Artikel zum Bildungswandel 1. Unsere Kinder - unsere Zukunft (aus SEIN, Juli 2009, von Christine Warcup) Was für eine Zukunft soll das sein? Eine Zukunft, die uns
und unseren Erwartungen entspricht? Oder eine Zukunft, die unseren
Kindern entspricht? Wahre Begegnung kann nur an Grenzen geschehen. Und wahre
Begegnung ist das, was unsere Kinder brauchen, wahre Begegnung aus dem Herzen,
damit sie sich gesehen und erkannt fühlen in dem, was sie sind. Als Lehrerin habe ich immer wieder festgestellt, wie wichtig diese Begegnung für die sogenannte „Leistung“ ist. In großen Klassen war es mir nicht möglich, innerhalb einer Schulstunde zu allen Schülern Blickkontakt aufzubauen. Diejenigen, die sich aufgrund des mangelnden Blickkontakts über mehrere Stunden oder Wochen nicht von mir wahrgenommen fühlten, ließen stets merklich in der Leistung nach. Das Wichtigste, was ein Lehrer in seiner Ausbildung – unabhängig von der Schulform – daher lernen sollte, ist die Tatsache, dass Unterrichten in erster Linie Beziehungsarbeit ist, Begegnung von Mensch zu Mensch. Wir lernen in Beziehung, und je jünger wir sind, desto mehr lernen wir durch Nachahmung in Beziehung. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass der beste Unterricht am Schüler vorbeigeht, wenn der Schüler oder die Schülerin sich nicht in Beziehung zum Lehrer oder zur Lehrerin wahrnimmt. Wenn Schüler ihre Lehrer mögen, dann lernen sie fast für ihn oder sie, da es ihnen Freude bereitet, dem Lehrer Freude zu bereiten. Doch Vorsicht: Ein Lehrer kann es nicht erzwingen, dass seine Schüler ihn mögen. Er kann erreichen, dass sie ihn achten, da er sich bzw. seine Grenzen und seinen Raum achtet, er kann es jedoch nicht „machen“, wie viel „Leistung“ er auch erbringt, dass seine Schüler ihn mögen oder gar lieben. Das beste Mittel, geliebt zu werden, ist, sich selbst zu
lieben. Denn da unsere Umwelt unser Spiegel ist, der uns die Möglichkeit gibt,
Bewusstheit über uns selbst zu erlangen, wird jemand, der sich selbst liebt und
anerkennt, auch anderen leicht Anerkennung zollen können und so auch viel
Anerkennung ernten. Wenn wir das konsequent weiterdenken, dann ist auch jeder Schüler ein Spiegel für seine Eltern und Lehrer. Und Spiegel sind manchmal höchst unbequem, denn sie zeigen uns auch unsere sogenannten Schwächen, unsere Ängste, all unsere ungeliebten Anteile. Und es ist ein fataler Fehlschluss, zu meinen, sich die Dinge, die man nicht mag, die einem höchst unsympathisch sind, vom Halse halten zu können, indem man sie verurteilt, sie abwertet und vielleicht sogar meint, „so etwas“ würde man selbst nie tun oder damit hätte man rein gar nichts zu tun. Kinder sind in ihrer Echtheit „gnadenlose“ Spiegel, und
das ist letztlich ihr Geschenk an uns. Gerade die sogenannten „schwierigen“
Kinder zwingen uns, uns zu hinterfragen, unser Weltbild in Frage zu stellen. Und
das macht Angst, das bringt uns auf unbekanntes Terrain, wo wir uns zunächst
nicht sicher fühlen. Vor einigen Monaten habe ich eine sehr interessante Erfahrung gemacht. Eine Bekannte bekam eine Stelle an einer internationalen Schule, wo sie in der zweiten und fünften Klasse Deutsch als Fremdsprache unterrichtete. Mir fiel sofort auf, dass sie mit „den neuen Methoden“ arbeiten wollte, d.h. sie war bereit, den Kindern viel Freiheit in Bezug auf ihre Art zu lernen zu geben, und sie war vor allem bereit, ihre Eigenverantwortung, die volle Verantwortung für sich selbst, zu übernehmen. Sie bat mich um Unterstützung und wir erhielten beide Unterstützung durch eine Instanz, die einen größeren Überblick hat, nämlich durch den Aufgestiegenen Meister El Morya, der mir ein neues Lehrerbuch*1 immer passend zu ihrer jeweiligen Situation durchgab. Das heißt, sie erlebte etwas in der Schule und zeitgleich erhielt ich das passende Kapitel. Und es war sehr beeindruckend, was sie erlebte. El Morya
sagte, dass schwierigste Schüler zu Lämmern werden, wenn wir uns anschauen,
welchen Anteil unserer selbst sie uns spiegeln, und wenn wir bereit sind, diesen
Anteil in uns anzunehmen. Und genau das geschah: Ein sehr aggressiver Schüler,
den sie hatte, der sie wirklich an ihre Grenzen brachte, wurde völlig
unproblematisch, ja sogar liebevoll und fürsorglich, als sie sich mit ihrem
eigenen entsprechenden Anteil aussöhnte. Ein Mädchen, das sie ständig übersah,
kam völlig offen auf sie zu, als ihr bewusst geworden war, dass dieses Mädchen
ihr ihren „Träumeranteil“ spiegelte und sie diesen Anteil integriert hatte. Wenn wir wirklich eine „bessere“ Zukunft wollen, dann sollten wir den Mut haben, unseren Kindern die Freiheit zu geben, die zu sein, die sie sind. Dann sollten wir aufhören, sie mit unseren festgefügten Erwartungen an sie einzuschränken. Dann sollten wir bewusst und mutig unserer Angst begegnen, dass wir „versagt“ haben, wenn unsere Kinder nicht der sogenannten „Norm“ entsprechend funktionieren. Wir alle lernen nur, indem wir „Fehler“ machen, und wir machen Fehler, wenn uns etwas fehlt, Erfahrung, Erkenntnis, Übung. Hören wir auf, den Fehler als Übel anzusehen, hören wir auf, unsinnige Erwartungen an uns und unsere Kinder zu stellen. Wir SIND, und das ist genug. Wenn wir wirklich sein dürfen, geschieht das Tun ganz von selbst. Diese Erfahrung machen wir alle mit unseren Kindern, bevor sie in die Schule gehen, und vielleicht auch danach, wenn sie nämlich auf Personen oder Schulen treffen, die ihnen den Raum gewähren, die zu sein, die sie sind. Wie sehr unsere Angst unsere Kinder beeinträchtigen kann, zeigt ein Auszug aus dem „Lehrerbuch: Über das gewaltfreie Unterrichten“*2, das genauso gut „Elternbuch“ heißen könnte: Stellen wir uns Eltern vor, die in der Lage sind, der
Entwicklung ihres Kindes mit Gelassenheit und einer großen Portion Vertrauen in
ihr Kind beizuwohnen. Stellen wir uns als Gegenstück Eltern vor, die bei jeder
Gelegenheit „korrigierend“ eingreifen, um dem Kind zu helfen, sich
„optimal“ zu entwickeln. Nehmen wir an, die Kinder verbringen die meiste
Zeit mit ihren Eltern, so dass die unterschiedlichen „Erziehungsversuche“
nicht durch andere Personen gestört oder relativiert werden. Das Kind der
gelassenen Eltern, das zwar ein geschütztes, liebevolles Umfeld hat, sich die
Welt aber nach seinem Tempo erschließen kann, hat vor allem einen
entscheidenden Vorteil gegenüber dem Kind, dem ständig „geholfen“ wird: Es
kann sich frei entwickeln, es kann die Freude am Lernen erfahren, die Freude an
der Eigenständigkeit, und es kann Vertrauen in sein Lernen und seine Fähigkeiten
entwickeln. Und damit hat es einen wunderbaren Start ins Leben. Treten wir einen Schritt zurück. Lassen wir den Kindern
Zeit, sich in ihrem eigenen Tempo zu entwickeln. Nicht jeder wird später ein
begnadeter Turner oder ein begnadeter Dolmetscher. Jeder hat seine eigenen Fähigkeiten,
sein ureigenes Potenzial. Und er ist gekommen, dieses Potenzial zu entwickeln,
nicht ein von der „Norm“ vorgeschriebenes. Christine H. Warcup arbeitete fast 20 Jahre lang als Studienrätin für Biologie und Französisch, bevor sie 2001 zusammen mit ihrem Mann den Öffentlichen Dienst verließ, um für ihre gemeinsame Vision der Veränderung von Schule zu wirken. Sie arbeitet heute in ihrer Praxis für Herzens-Bildung, gibt Einzelsitzungen, Seminare, Schulungen, Vorträge etc. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist das Erkennen und Auflösen alter, einschränkender Glaubenssätze, eine Voraussetzung für das Erlangen innerer Freiheit, die wiederum die Voraussetzung dafür ist, anderen Freiheit gewähren zu können. Mehr auf ihrer Website: www.el-morya-herzensbildung.de *1 Das Praxisbuch: Hilfsmittel und Methoden für den gewaltfreien Unterricht - Ein Begleitbuch für den Suchenden (erscheint Frühjahr 2010) *2 El Morya: Das Lehrerbuch: über das gewaltfreie Unterrichten (ISBN: 3-89568-159-8) Weitere Bücher aus derselben Quelle (alle im ch-falk-verlag): Herzens-Bildung 1 und 2, (ISBN: 3-89568-146-6 und
978-3-89568-179-0) Wir freuen uns, wenn Sie diesen Artikel mit Quellenangabe weiter verbreiten.
KontaktinformationPostadresse Ludwigstraße 21A, 86919 Utting am Ammersee, Germany Telefon: +49 (0)8806 958790 E-Mail: charles.warcup@t-online.de oder christine@BildungimWandel.de
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